Osterbotschaft in Zeiten von Corona

Wir erleben gerade durch die Corona-Epidemie, wie schrecklich und furchtbar der Tod wütet – zehntausendfach in China, in Italien, in Spanien, in den USA, bei uns und anderswo. Vielleicht stellt uns das als moderne Gesellschaft auch deshalb so in Frage, weil wir uns tatsächlich lange für „unverwundbar“, ja fast sogar „unsterblich“ gehalten haben. Maurizio Malvestiti, der Bischof von Lodi, einer der von der Corona-Epidemie am meisten betroffenen Städte Norditaliens, sagt in einem Interview mit der ZEIT: „Wir haben uns allmächtig gefühlt … Die Wirtschaft lief recht gut, es ging uns im Großen und Ganzen gut. Und jetzt sind wir in dieser Situation. Wir sehen, dass wir krank sind und haben die Überzeugung, dass wir allmächtig sind, verloren. Individualismus und Konsumismus, die sehr bestimmend waren, haben einen schweren Schlag abbekommen.“

Die Osterbotschaft, wie Dietrich Bonhoeffer sie versteht, macht uns klar: Wir Menschen haben nicht die Kraft aus uns selbst, den Tod zu besiegen. Es bleibt „Gottes Machttat“, dass der Tod nicht das letzte Wort behält. Das Evangelium von der Auferstehung Jesu leugnet den Tod nicht – Christus trägt auch nach Ostern noch die Wundmale seiner Kreuzigung. Aber es blickt über den Tod hinaus: Neues, ewiges Leben ist uns verheißen. Ein Licht in der Dunkelheit, Hoffnung gegen alle Resignation!

Bischof Malvestiti erinnert uns in Zeiten der Bedrohung durch das neuartige Virus als Kirche vom Osterevangelium her an drei Aufgaben: Zum einen sollen wir für die Menschen beten und das Leid der Welt vor Gott bringen. Zum anderen sollen wir, wo es in unseren Möglichkeiten steht, konkret helfen – übrigens ohne Ansehen der Person, ihrer Herkunft oder ihrer Religion, denn Ostern gilt allen Menschen. Und schließlich sollen wir uns immer wieder bewusst sein, dass wir in Christus eine große Gemeinschaft sind, die auch unsere Verstorbenen miteinschließt.

Glauben und Gemeinschaft in Zeiten der Corona-Krise

Wie geht es Ihnen in diesen besonderen Zeiten? Und wie können wir gemeinsam oder jede(r) für sich unseren Glauben in diesem Ausnahmezustand leben? Was gibt Ihnen Kraft und Hoffnung in diesen Tagen? Haben Sie Menschen, mit denen Sie sich austauschen können, oder machen Sie Vieles eher mit sich selbst aus?
Pfarrer Christoph Stolz (Aitrach) schrieb in diesen Tagen: „Vor einer Woche, am 20. März, feierte man (ohne geplante öffentliche Veranstaltungen) den 250. Geburtstag des schwäbischen Dichters Friedrich Hölderlin … In seiner Hymne ‚Patmos‘, benannt nach der griechischen Insel, auf der der Seher Johannes seine Offenbarung schrieb, lautet die erste Strophe:


Nah ist

Und schwer zu fassen der Gott.

Wo aber Gefahr ist, wächst

Das Rettende auch.

In diesen Wochen der Corona-Krise berühren mich diese wenigen Zeilen mit ihrer ehrlichen und zugleich ermutigenden Botschaft … Wenn Viren oder anderes unser modernes Leben bedrohen, erleben wir, wie kunstvoll und wie zerbrechlich wir moderne Menschen gebaut sind. Gut, dass sich auch das Rettende in großen Krisen entfaltet, darin sehe ich Gottes Geist am Werk.“
Nun sind wir in den kommenden Wochen, von denen im Augenblick noch niemand weiß, wie lange sie dauern werden, stärker als gewohnt auf uns selbst gestellt. Vielleicht kann das ja auch eine Chance sein, sich wieder einmal mit seinem eigenen Glauben auseinanderzusetzen. Ich möchte Ihnen dazu ein paar Anregungen geben und freue mich umgekehrt, wenn Sie mir von Ihren Erfahrungen erzählen:

1.      Meinem Glaubensleben helfen Regelmäßigkeit und Rituale. Dazu haben wir viele Möglichkeiten: Die Herrnhuter Losungen für jeden Tag und die tägliche Beschäftigung mit der Heiligen Schrift etwa nach dem Ökumenischen Bibelleseplan, die Unterbrechung des Alltags durch ein Gebet etwa beim Läuten der Kirchenglocken (6.00 / 12.00 / 18.00 Uhr), Mitmachen bei einer vielen Initiativen (Psalm 91 beten um 20.00 Uhr, „Der Mond ist aufgegangen“ singen oder spielen um 19.00 Uhr, eine Kerze um 19.00 Uhr anzünden) …

2.      Kreativ werden: Ich lade alle Kinder ein, ein Bild zum Thema Ostern zu malen. Schickt es mir zu oder werft es in den Briefkasten des Pfarramtes (Bahnhofstr. 6). Wir hängen die Bilder dann auf an den Fenstern des Gemeindehauses, so dass eine richtige Galerie entsteht. Wer sonst gerne einen Bibelvers kreativ gestalten möchte, findet zum Beispiel Anregungen im Internet unter
https://bibelkreativ.de/2018/10/04/7-tipps-bible-art-journaling-beginner/

3.      Sich mit anderen austauschen: Bleiben Sie über Ihre Hoffnungen und Ihre Sorgen mit anderem im Gespräch. Beten Sie mit und für andere. Schicken Sie Ihre Fürbitten an das Pfarramt. Wir hängen sie dann ebenfalls an die Fenster des Gemeindehauses. Schicken Sie uns doch bitte auch Ihren Bibelvers oder Ihren Hoffnungstext, der Ihnen Mut macht. Auch den können wir an die Fenster des Gemeindehauses aushängen, dann entsteht so vielleicht eine ganze Galerie von Bildern, Fürbitten und mutmachenden Worten!

4.      Sich vertiefen: Was halten Sie davon, die Zeit, die wir jetzt haben, wieder einmal dafür zu nützen, einen Psalm oder ein Lied auswendig zu lernen? Sozusagen als Schatz, den wir dann zur Verfügung haben?! „Learning by heart“ heißt 2auswendig lernen“ im Englischen – frei übersetzt: „Zu Herzen nehmen“.

5.      Sich Fragen stellen: „Glauben Christen und Muslime eigentlich an denselben Gott?“ -  „Kommt mein verstorbener Hund auch in den Himmel?“ – „Trägt Religion etwas zum Frieden in der Welt bei oder gibt es wegen ihr eher mehr Kriege?“ Wann, wenn nicht jetzt, wäre Zeit, sich einmal über solche Fragen Gedanken zu machen. Schreiben Sie mir, wenn Sie eine solche Frage umtreibt. Ich würde dann kurz im nächsten „Kißlegger“ darauf antworten. Vielleicht ergeben sich daraus interessante Diskussionen in der Gemeinde!

 

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Karwoche und dann frohe Ostern! Bleiben Sie behütet! Ihr Pfarrer Friedemann Glaser

 

Kindergottesdienst im Fernsehen:

Das Kindergottesdienstteam der Michaelis Friedenskirche Leipzig bietet mit Unterstützung der Godly Play-Community eine Video-Geschichtenreihe durch die Passionszeit bis Ostern an unter:

https://youtu.be/-fnVXjSP7-k


•    5.4. Jesus leidet und stirbt
•    10.4. Jesus betet in Gethsemane
•    12.4. Warum wir Ostern feiern: Das leere Grab

 

Aufruf der Evangelischen Landeskirche in Württemberg: Glocken rufen zum gemeinsamen Gebet

Landesbischof July: „Wir denken an die Kranken und alle, die für Unterstützung und Hilfe sorgen“

 

Stuttgart. Die Evangelische Landeskirche in Württemberg lädt dazu ein, gleichzeitig mit vielen anderen in Baden-Württemberg, sich täglich um 19:30 Uhr Zeit für ein Gebet zu nehmen, um mit denen verbunden zu sein, die sich derzeit nicht im Gottesdienst treffen können. Zu diesem Gebet sollen die Kirchenglocken rufen. 

 

Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July: „Die Glocken sollen uns daran erinnern, dass wir unser Leben auch in diesen Krisentagen mit dem großen Horizont der Gegenwart Gottes sehen. Die Glocken rufen uns zur Andacht und Fürbitte. Wir denken an die kranken Menschen und alle, die im medizinisch-pflegerischen Bereich, im öffentlichen Dienst, in den Familien und Nachbarschaften für Unterstützung und Hilfe sorgen.“ 

 

Eine Kerze ins Fenster zu stellen, könne ebenfalls ein Zeichen des christlichen Miteinanders und der Solidarität mit den am Corona-Virus Erkrankten sowie den unter Quarantäne stehenden Betroffenen sein, sagte July.

 

In Baden-Württemberg ist das Glockenläuten auch ein Signal der Ökumene: Auch die Kirchengemeinden der Diözese Rottenburg-Stuttgart sowie der Evangelischen Landeskirche in Baden sind von ihren Kirchenleitungen aufgerufen, jeweils um 19.30 Uhr ihre Gemeindeglieder zum Gebet einzuladen.

 

Und noch eine Einladung steht – wer beide Einladungen miteinander verbindet, kann sich schon ab 19 Uhr musikalisch einstimmen: So ruft die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) dazu auf, täglich um 19 Uhr gemeinsam „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen oder zu musizieren. Das könne auch auf dem eigenen Balkon und im Garten geschehen, so die EKD.