Lesegottesdienst zu Pfingsten von Klinikpfarrerin Franziska Müller, Wangen

Ÿ  Einstimmung, Votum


„Komm, Sturm. Zerreiße die Wolken der Traurigkeit.
Lass uns die Sonne sehen.

Komm, Atem des Lebens. Hauche uns an, damit wir unsere Gräber verlassen und auferstehen aus Trägheit und Angst.

Komm, Feuer. Taue das Eis auf in unseren Herzen. Erwärme uns für dich und füreinander.

Komm, Heiliger Geist. Wärme, belebe, bewege uns.“

Mit Worten von Karl-Heinz Ronecker wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, frohe, bewegende, belebende Pfingsten.

Manche, mancher unter Ihnen wird sich vielleicht fragen, was an diesen Pfingsten ‚fröhlich‘ stimmen soll: Noch vor einem Jahr war für die meisten von uns Vieles einfacher, sicherer, unbeschwerter, lebendiger.

Doch damit nähern wir uns auch schon dem ursprünglichen Pfingstgeschehen selbst: Vor wenigen Wochen noch waren die Jünger mit Jesus unterwegs. Sie träumten durch ihn und mit ihm vom Reich Gottes, dieser Gemeinschaft mit Gott und untereinander, in der alle Heimat finden können, in der Wunden heilen, Leben aufblüht.

Dann starb Jesus am Kreuz – und alle Hoffnung auf eine bessere Zukunft mit ihm.

Und auch nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt bleibt für die Jünger die Frage: Was heißt das nun für uns? Für mich? Was wird aus meinem Leben? Aus meinen Hoffnungen?

Vielleicht ist es deshalb gerade besonders eindrücklich, das Pfingstfest zu begehen: in diesem Jahr, in dem wir nur wage Zukunftspläne schmieden können, in dem wir angehalten sind, uns – zum Schutz der Schwachen, und keiner weiß, wer letztlich dazu zählen würde – nur distanziert zu begegnen, in dem bislang selbstverständlich geglaubte Freiheiten in Frage stehen. Vielleicht sind wir damit den Jüngern in ihrem Erleben näher als je zuvor.

Vielleicht erhält die Pfingstbotschaft für Sie, für uns deshalb einen ganz besonderen Klang, kann uns berühren, bewegen, so dass wir spüren, dass sie auch hier und heute und für uns alle gilt.

Ich nehme Sie mit diesem Gottesdienst hinein in unsere Wirklichkeit in den Fachkliniken Wangen, wo ich als Seelsorgerin zusammen mit meinen beiden katholischen Kollegen, den Mitarbei­tenden, den Patienten und deren Angehörigen, die nur in Ausnahmefällen zueinander kommen konnten, intensive Wochen erlebe. Am Pfingstsonntag werden wir Gottesdienst feiern, anders als an Ostern wieder mit einigen Patienten von einer Station in der Kapelle, weiterhin jedoch mit den Patienten der anderen Stationen nur über die Telefonanlage beziehungsweise Text­blätter verbunden. Wir feiern Pfingsten in einer Zeit, die gerade auch allen, die sich nach Gemeinschaft und Nähe sehnen, viel abverlangt.

Jesus verheißt uns: Der Vater wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit. (Johannes 14,16)

Lassen Sie uns gemeinsam darauf hoffen, dafür beten und offen sein, dass der Heilige Geist zu all denen kommt, die ihn brauchen – und also auch zu uns.

So können wir, verbunden mit all den Menschen, die uns am Herzen liegen, Gottesdienst feiern, im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes. Amen

Ÿ  Lied: EG 136,1.2.7 O komm, du Geist der Wahrheit


1. O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein,

verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.

Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,

dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

2. O du, den unser größter Regent uns zugesagt:

Komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt.

Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit

die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.

7. Du Heilger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern;

mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn.

O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund,

dass wir in Freud und Schmerzen das Heil ihr machen kund.

 

Ÿ  Psalm 118,24-29 (EG 747 i.A.) Dies ist der Tag


Dies ist der Tag, den der Herr macht;

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O Herr, hilf!

O Herr, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid.

Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.

Schmückt das Fest mit Maien
bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir;

mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

 

Ÿ  Gebet (mit Worten von Anton Rotzetter)


Ruf in mir, Heiliger Geist,

nach Gott und seiner Gerechtigkeit.

Bet in mir, Heiliger Geist,

um Freude und Zuversicht.

Schrei in mir, Heiliger Geist,

nach Freiheit und Leben.

Wein in mir, Heiliger Geist,

vor Schmerz und Trauer.

Klag in mir, Heiliger Geist,

über Trennung und Tod.

Sing in mir, Heiliger Geist,

das Lied der Befreiung.

Juble mit mir, Heiliger Geist,

im Lande der Lebendigen.

Mach alles neu!

Durch Dich, Heiliger Geist,

kann alles neu werden.


Gib uns neue Gedanken

und lass uns das Undenkbare denken.

Gib uns neue Gefühle

und lass uns das Unbegreifbare fühlen.

Gib uns neue Taten

und lass uns das Unmögliche tun.

Gib uns ein neues Herz

und lass uns dem Unfassbaren Raum geben.


Lass uns dich spüren, bete du in uns, auch jetzt und hier.


STILLE


Heiliger Geist,

lass uns Deine neue Welt sein

hier auf Erden und allezeit.

Amen

 

Ÿ  Lied: EG 554,1-4 Der Geist des Herrn erfüllt


1. Der Geist des Herrn erfüllt das All mit Sturm und Feuersgluten;

er krönt mit Jubel Berg und Tal, er lässt die Wasser fluten.

Ganz überströmt von Glanz und Licht, erhebt die Schöpfung ihr Gesicht,

frohlockend: Halleluja.


2. Der Geist des Herrn erweckt den Geist in Sehern und Propheten,

der das Erbarmen Gottes weist und Heil in tiefsten Nöten.

Seht, aus der Nacht Verheißung blüht; die Hoffnung hebt sich wie ein Lied

und jubelt: Halleluja.

3. Der Geist des Herrn treibt Gottes Sohn, die Erde zu erlösen;

er stirbt, erhöht am Kreuzesthron, und bricht die Macht des Bösen.

Als Sieger fährt er jauchzend heim und ruft den Geist, dass jeder Keim

aufbreche: Halleluja.

4. Der Geist des Herrn durchweht die Welt gewaltig und unbändig;

wohin sein Feueratem fällt, wird Gottes Reich lebendig.

Da schreitet Christus durch die Zeit in seiner Kirche Pilgerkleid,

Gott lobend: Halleluja.

 

Ÿ  Predigt


Liebe Zuhörende, liebe Mitfeiernde,

Pfingsten – das ist ein Fest, das wir immer wieder in unserem Leben feiern können. Wir feiern die ‚Ausgießung des Heiligen Geistes‘ – und damit diese Momente, in denen wir in tiefster Trostlosigkeit neue Hoffnung spüren, mitten im Streit Worte der Versöhnung entdecken, statt Einsamkeit Geborgenheit erleben. Wir feiern den ‚Geburtstag der Kirche‘ und damit einer Gemeinschaft, in der Menschen verschiedenster Herkunft und Eigenart Heimat finden, sich neu aus- und aufrichten lernen, füreinander da sind und miteinander einen Vorgeschmack auf das Reich Gottes erleben und gestalten.

Der heutige Predigttext aus dem zweiten Kapitel der Apostelgeschichte erzählt von dem Geschehenen:

Apg 21     Dann kam der Pfingsttag.

Alle, die zu Jesus gehört hatten, waren an einem Ort versammelt.

2    Plötzlich kam vom Himmel her ein Rauschen wie von einem starken Wind. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich aufhielten.

3    Dann erschien ihnen etwas wie züngelnde Flammen. Die verteilten sich und ließen sich auf jedem Einzelnen von ihnen nieder.

4    Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt. Sie begannen, in fremden Sprachen zu reden – ganz so, wie der Geist es ihnen eingab.

5    In Jerusalem lebten auch fromme Juden aus aller Welt, die sich hier niedergelassen hatten.

6    Als das Rauschen einsetzte, strömten sie zusammen.
Sie waren verstört, denn jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.

7    Erstaunt und verwundert sagten sie: »Sind das denn nicht alles Leute aus Galiläa, die hier reden?

8    Wie kommt es, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört?

9    Wir kommen aus Persien, Medien und Elam. Wir stammen aus Mesopotamien, Judäa, Kappadozien, aus Pontus und der Provinz Asien,

10  aus Phrygien und Pamphylien. Aus Ägypten und der Gegend von Zyrene in Libyen, ja sogar aus Rom sind Besucher hier.

11  Wir sind Juden von Geburt an und Fremde, die zum jüdischen Glauben übergetreten sind. Auch Kreter und Araber sind dabei. Wir alle hören diese Leute in unseren eigenen Sprachen erzählen, was Gott Großes getan hat.«

Liebe Pfingstgemeinde,

ohne ihren Herrn und Bruder Jesus Christus waren die Jünger reichlich kopflos: Was würde werden aus diesen Träumen von einer besseren Welt, die sie mit ihm geträumt hatten? Was bedeutete es für sie und ihr Leben, dass Jesus gekreuzigt, ihnen als Auferstandener erschienen und vor ihnen in den Himmel entrückt worden war?
Ist das nicht gut nachvollziehbar?

Doch ich zögere: Das steht so gar nicht in unserem Predigttext und auch nicht im vorausgehenden ersten Kapitel der Apostelgeschichte. Dort wird berichtet, wie die Jünger über den Tod ihres ehemaligen Gefährten Judas sprachen und einen Nachfolger für ihn bestimmten. Anders als nach dem Tod vor der Auferstehung Jesu (z.B. Joh. 20,19) wird nicht erzählt, dass sie sich voller Furcht hinter verschlossenen Türen versammelt hatten.

Jetzt diskutierten und organisierten sie, ordneten das Geschehene ein in das, was sie aus dem Studium der Schriften und den Erfahrungen mit Jesus verstanden hatten, rangen darum, wie es weitergehen sollte. Möglicherweise half ihnen dieses Tun, mit der nun entstandenen Ungewissheit umzugehen: Sie flüchteten sich in Aktivismus, weil sie nicht wussten, was sie wirklich tun sollten. Möglicherweise gingen sie auch davon aus, dass dies nun ihr neues Leben sein würde: eine Gruppe von Menschen, die eine intensive Erfahrung teilten, und die nun gemeinsam nach Wegen suchen musste, wie es weitergehen würde, wie sie das umsetzen konnten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte.

Und so saßen sie zusammen und vertrauten darauf, dass Gott ihnen beim Losen den rechten Nachfolger für Judas zeigen würden. Doch darüber hinaus rechneten sie offenbar nicht mit Gottes Wirken: mit dem Rauschen, das das Haus erfüllte, den züngelnden Flammen, die sich auf ihre Häupter setzten, den Geistesgaben, mit denen sie plötzlich Menschen unterschiedlichster Sprache und Herkunft nahe bringen konnten, wovon ihr Herz brannte.

Mitten in ihr Planen und Tun platzt der Heilige Geist. Ein wenig schmunzle ich: Kenne ich es nicht auch aus unserem Alltag, von unseren Sitzungen, dass wir gerne um Gottes Geist bitten, aber doch sehr überrascht wären, wenn er an anderer als der vorgesehenen Stelle ‚funken schlagen‘ würde?

Offenbar setzte das Gefühl, Gottes Eingreifen planen zu können, schon früh ein: Irgendwie muss das Leben ja weitergehen, müssen wir ja handeln, auch, wenn wir nicht recht wissen, wie.

Ob die Jünger nun aus schierer Verzweiflung sich in Aktivismus flüchteten oder in der Erwartung, nun eben selbst entscheiden zu müssen, Gott schrieb auf ihren – vielleicht auch krummen – Linien sein Evangelium weiter.

Er ließ sie erzählen von Jesu Zuwendung zu den Armen und Schwachen, von seinem Herz für Heil und Gerechtigkeit, von seiner Sehnsucht nach Zuwendung und Vertrauen. Er ließ sie ringen um eine Gemeinschaft, in der spürbar wurde, wie das Reich Gottes Wirklichkeit werden könnte. Er ertrug ihre Fehlschläge und litt mit ihnen, wo sie aneinander und an Anderen schuldig wurden, so wie er es bis heute mit uns macht.

Und doch erscheint unter aller menschlicher Unvollkommenheit immer wieder dieser Geist, der Menschen neuen Mut gibt, neue Gedanken, neue Worte, neue Kraft, der neue Wege finden lässt und Heil bringt.

Immer wieder erleben wir Gemeinschaft, die zu einem heiligen, heilsamen Ort wird, an dem wir, so unterschiedlich wir sind, nebeneinander und miteinander daheim sein und Heimat schaffen können, so, wie Jesus es uns verheißen hat.

Diese Erfahrungen können uns Mut machen, auf das Wirken von Gottes Geist in unserem Leben zu vertrauen, es zu erwarten. Sie lassen uns spüren: Gottes Geist ist unter uns lebendig. Wir müssen Verantwortung für unser Tun und Leben übernehmen. Aber wir müssen nicht in Aktivismus ausbrechen, uns selbst und die Welt nicht im Alleingang retten. Wir können darauf vertrauen: Gottes Geist bewegt uns, unsere Herzen, unsre Seelen, unsere Phantasie. Und er nimmt Andere mit, wenn wir ihnen und ihm die Zeit lassen, zu wirken, sich auszubreiten:

„Komm, Sturm. Zerreiße die Wolken der Traurigkeit.
Lass uns die Sonne sehen.

Komm, Atem des Lebens. Hauche uns an, damit wir unsere Gräber verlassen und auferstehen aus Trägheit und Angst.

Komm, Feuer. Taue das Eis auf in unseren Herzen.
Erwärme uns für dich und füreinander.

Komm, Heiliger Geist. Wärme, belebe, bewege uns.“

Frohe Pfingsten. Amen

Ÿ  Lied: Neue Lieder Plus 105 / Gotteslob 346, 1-3:
Atme in uns, Heiliger Geist

Ref: Atme in uns, Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist,
wirke in uns, Heiliger Geist. Atem Gottes komm!

1. Komm du Geist, durchdringe uns, komm du Geist, kehr bei uns ein. Komm du Geist, belebe uns, wir ersehnen dich. Refrain

2. Komm du Geist, der Heiligkeit, komm du Geist der Wahrheit. Komm du Geist der Liebe, wir ersehnen dich. Refrain

3. Komm du Geist, mach du uns eins. komm du Geist erfülle uns. Komm du Geist und schaff uns neu, wir ersehnen dich.

 

 

Ÿ  Fürbitten, Vater Unser

Als in der Woche vor Ostern immer unsicherer wurde, was auf uns alle und im besonderen auf die Menschen in den Fachkliniken in Wangen zukommen würde, haben wir Klinikseelsorgende den Mitarbeitenden und den Patienten zugesagt, täglich für sie und uns alle zu beten, und sie eingeladen, mitzumachen, jeder an seinem Ort. Und mancher in der Verwaltung, auf den Stationen, in den Zimmern, hat sich angeschlossen.

Vielleicht möchten auch Sie sich heute beteiligen:

Du, Gott, Liebhaber des Lebens,

wir danken dir, dass du uns geschaffen und bis heute bewahrt hast,

wir danken dir für all die Menschen, die unser Leben ausmachen
und für deine ganze Schöpfung.

 

Wir bitten dich für die Menschen, die krank sind,
die Angst haben oder einsam sind:

Schenke ihnen Kraft und Trost
und lass sie deine Nähe spüren.

 

Wir bitten dich für die Menschen, die sich für die Kranken und Bedürftigen einsetzen,
für die Rettungskräfte, die Ärzte und Pflegenden:
Segne ihr Tun, steh ihnen bei,
versöhne sie mit ihren Grenzen.

 

Wir bitten dich für die Menschen, die erschüttert sind
aus Sorge um ihre Angehörigen oder ihre Existenz:

Tröste sie, gib ihnen Halt und neue Zuversicht.

 

Wir bitten dich für die ganze Menschheit,
für deine ganze Schöpfung:

Durchdringe alles Leid, allen Schmerz, allen Tod
mit deiner Liebe.

 

Wir bitten dich für uns alle, hier in diesem Haus
und in den Beziehungen, die uns ausmachen:

Lass uns Verständnis füreinander haben,
lass uns spüren, was wir voneinander brauchen
und was wir einander geben können.

 

Ich bitte dich für mich selbst:

Du weißt, was mich bewegt, was mich umtreibt,
wo ich an die Grenzen meiner Kraft komme.
Lass mich Ruhe finden in dir.

 

Wir loben dich, du lebendiger Gott,

du Durchbrecher aller Bande,

du Sieger über den Tod.

 

Gemeinsam mit allen, die ihr Vertrauen auf dich setzen, bitten wir:

 

Vater unser im Himmel!

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Ÿ  Segen

 

Der lebendige Gott

lasse zu deiner Erfahrung werden,

was er dir zugesagt hat:

bei dir zu sein in Angst und Unsicherheit,

zu dir zu stehen in Ausweglosigkeit und Verlassenheit,

dich zu trösten, wenn du bekümmert bist,

sich deine Bedürftigkeit zu Herzen zu nehmen, was immer auf dir lastet.

Er schenke dir, was du dir selbst nicht geben kannst:

wachsendes Vertrauen mitten in den Widersprüchen des Lebens.

 

So segne dich, uns und alle Welt Gott, Vater, Sohn, Heiliger Geist. Amen.

 

Ÿ  Schlusslied: EG 171,1-4 Bewahre uns, Gott

 

1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns auf unsern Wegen.
Sei Quelle und Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen,

 

2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten,

 

3. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen,

 

4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unsern Wegen.

 

Komm, Heiliger Geist. Wärme, belebe, bewege uns.“

Mit Worten von Karl-Heinz Ronecker wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, frohe, bewegende, belebende Pfingsten.

franziska.muellerdontospamme@gowaway.elkw.de

 

 

Lese

Lesepredigt für den Sonntag Exaudi, 24.5.2020, Klinikpfarrer Hartmut Nitsche, Isny/Neutrauchburg

Zum Lesegottesdienst am Sonntag „Exaudi“ heiße ich Sie alle herzlich willkommen.

Der Sonntag „Exaudi“ ist nach dem bittenden Psalm Vers „Herr, höre meine Stimme“ benannt

und vor allem von Erwartung/Warten geprägt.

Der Wochenspruch für diese Woche lautet:

„Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“

Unser Beten und Singen, unser Nachdenken und Schweigen geschehe im

Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

Lied: 440, 1-4

All Morgen ist ganz frisch und neu

Psalm 27 - EG 714:

Der Herr ist mein Licht und mein Heil;

vor wem sollte ich mich fürchten?

Der Herr ist meines Lebens Kraft;

vor wem sollte mir grauen?

Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:

dass ich im Hause des Herrn bleiben könne

mein Leben lang,

zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn

und seinen Tempel zu betrachten.

Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes

und erhöht mich auf einen Felsen.

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;

sei mir gnädig und erhöre mich!

Mein Herz hält dir vor dein Wort:

»Ihr sollt mein Antlitz suchen.«

Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,

verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!

Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht

und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,

aber der Herr nimmt mich auf.

Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde

die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.

Harre des Herrn!

Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Ehr sei dem Vater

Eingangsgebet

Gott, Liebhaber des Lebens,

hier bin ich,

suche Deine Nähe.

Du weißt um das Vielerlei

meiner Gedanken,

meiner Sorgen.

Bei Dir wird meine Seele ruhig - sagt man.

Erfülle mich mit diesem, deinem Frieden,

mit Kraft und Mut für jeden Tag.

Nicht Angst und Sorge,

nicht Pessimismus,

nicht „Grübbeln“ und Bruddeln,

sollen mein Leben bestimmen,

sondern die Gewissheit und Zuversicht:

Nichts kann mich von Deiner Liebe trennen.

Dir dürfen wir das nun in der Stille anvertrauen,

du in uns Menschen verliebter Gott.

Stilles Gebet

Herr, gib mir ein Herz für dein Wort,

und ein Wort für mein Herz…. AMEN

Schriftlesung: Apostelgeschichte 1,8-14

Wochenlied: O komm, du Geist der Wahrheit (EG 136)

1. O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein,

verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.

Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,

dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

2. O du, den unser größter Regent uns zugesagt:

komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt.

Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit

die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.

Predigt

Warten, liebe Gemeinde, … warten:

· Das Warten der Jüngerinnen und Jünger zwischen Karfreitag

und Ostern war ein anderes, als das Warten zwischen Himmelfahrt und Pfingsten.

· Einmal starr/gelähmt vor Angst und jetzt zwischen Himmelfahrt und Pfingsten:

„Sie hielten einmütig fest am Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

Warten:

· Das Warten – Er/warten - vor und während des Lockdowns war/ist ein anderes, als das Warten – Er/warten – jetzt in der Zeit der Lockerungen.

Warten:

· Wir haben und werden auch weiterhin alle unsere Erfahrungen mit Warten machen.

Der heutige Sonntag Exaudi ist der Tag zwischen Himmelfahrt (40 Tage nach Ostern)

und Pfingsten (50 Tage nach Ostern).

Die elf Jünger, und Frauen sind auch dabei, Maria Magdalena und Johanna und Maria,

die Mutter Jesu, und seine Brüder. Sie sitzen zusammen.

So erzählt der Evangelist Lukas in der Apostelgeschichte. Und beten.

Im Lukasevangelium steht gar, dass Sie nach Christi Himmelfahrt mit „großer Freude … waren und allezeit Gott preisen.“

Sie warten darauf, dass sich erfüllt, was Jesus versprochen hat:

„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen,

der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein.“

Der Heilige Geist ist aber noch nicht gekommen.

Also warten sie.

Und hoffen.

Und vertrauen.

Und beten.

Schöne Erfahrungen im Rücken.

Große Verheißung im Ohr.

Und im Herzen. „Siehe, es kommt die Zeit.“

Eine Seite von Glauben heißt: Warten – er/warten:

Warten können – Geduld – ist wichtig.

Warten…

Walter Mischel hat in seinem berühmten „Marshmallow- Test“

die durchaus positive Seiten der Fähigkeit, warten zu können, dargestellt:

Er setzte Kinder, denen er einen Marshmallow gab,

alleine in einen Raum.

Er versprach ihnen eine weitere Süßigkeit, wenn sie das Marshmallow bis zu seiner Rückkehr nicht essen würden. Er kehrte einige Minuten später zurück und stellte fest, dass einige Kinder das Marshmallow angeknabbert oder ganz gegessen hatten.

Der zweite Teil des Tests folgte Jahre später, als sich Michel erneut bei den damaligen Kindern meldete. Er wollte wissen, wie erfolgreich diese inzwischen im College und privaten Leben waren.

Das Ergebnis: Die Kinder, die warten konnten, waren erfolgreicher und zielstrebiger als die Kinder,

welche die Süßigkeit sofort gegessen hatten.

Geduld würde sich also in vielen Lebensbereichen auszahlen:

· Wer warten könne, nehme beispielsweise eine längere Ausbildung in Kauf und bekäme anschließend einen besseren Job.

· Auch hätte ein Mensch, der besser warten kann, eher Chancen, in der Wirtschaft oder auf dem Finanzmarkt Fuß zu fassen.

· Ein geduldiger Mensch gibt nicht nach der ersten Niederlage auf, sondern entwickelt lieber Strategien für einen langfristigen Gewinn, indem er auf die Erfahrungen anderer baut.

· Weiterhin fördere Warten die Kreativität und stimme fröhlicher – nicht umsonst gibt es den Begriff der „Vorfreude“.

Die positiven Seiten des Wartens – die negativen gibt es selbstredend auch:

„… den Zeitpunkt verpennen“, „… Schlimmes erwarten…“, „die Geduld verlieren…“, „zermürbt werden vor warten…“.

Lesen wir den Predigttext für den heutigen Sonntag, Jeremia 31,31-34

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr:

Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: „Erkenne den Herrn“ denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

1. „Siehe, es kommt die Zeit.“ Glauben heißt Warten - Gar nicht so einfach.

Kann mir gut vorstellen, wie damals das Volk Israel, als es in Gefangenschaft in der Verbannung in Babylon war gegenüber Gott, gegenüber dem Propheten Jeremia voll Unmut, Wut und Ungeduld waren:

· Wir wollen nicht mehr warten.

· „.... wo bist du lieber Gott?“

· Wir wollen nicht mehr warten.

· Wir wollen „Jetzt“, „Sofort“.

· Das ist unser Recht.

· Wir sind das Volk. … dein Volk Gott …!

· Ungeduld wird laut.

· Lässt sich nicht zügeln und verhindern.

· Bricht aus und wird hörbar.

„Siehe, es kommt die Zeit.“

Die Menschen aus dem Volk Israel. 600 Jahre vor Christus. Eine grausame politische Niederlage mussten sie hinnehmen. Die Stadt Jerusalem war verwüstet. Der Tempel zerstört.

Leben findet in der Fremde statt oder in Trümmern. Es gibt keine konkrete Aussicht. Wenig Hoffnung. Vielleicht die Ahnung: Wir sind selbst schuld, wir haben unserem Gott nicht vertraut, obwohl wir uns immer und immer wieder daran erinnern, wie er geholfen hat.

In aussichtsloser Lage.

Wie er uns gerettet und befreit hat.

Vor einem übermächtigen Feind.

Aus Sklaverei und Unterdrückung.

Auf einem langen und mühsamen Weg hat er uns durch die Wüste geführt.

Er war da und er hat uns begleitet.

Aber wir haben uns abgewendet.

2. „Siehe, es kommt die Zeit.“ - Können wir warten?

Warten, weil wir glauben.

Warten, weil wir vertrauen.

Warten, weil wir für andere - eigene Opfer - bringen?

„Siehe, es kommt die Zeit.“

Weil gleichwohl gilt:

· Das Leben ist eingeschränkt – immer mal wieder auch ohne Corona.

· Es ist bedroht – muss man kein Klinikseelsorger von drei Rehakliniken sein.

· Fragen tauchen auf und bedrängen den Glauben.

· Wo ist Gott?

· Warum hilft er nicht, jetzt?

· Sofort?

Können wir zulassen, dass wir so oder so keinen Haken hinter Gottes Verheißung machen: Erfüllt!

Sondern warten – wie das Volk Israel?

„Siehe, es kommt die Zeit.“

Es kommt etwas, das jetzt noch nicht da ist.

Es ist keineswegs alles gut.

Die großen Verheißungen Gottes stehen aus.

Auch für uns.

Auch für mich.

Wir stehen neben dem Volk Israel, welches mich beten lässt

mit den Worten Israels aus Psalm 27:

„HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe;

sei mir gnädig und antworte mir!“

Ich vermisse die offene Gemeinschaft.

Den gemeinschaftlichen Gesang.

Den guten Austausch beim Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst.

Die Nähe...

Aber: Es geht jetzt – noch - nicht.

Aus gutem Grund.

Es gibt manchmal kein: Jetzt. Sofort.

Warten – in verschieden Phasen des Lebens:

· So ist das Leben – C’est la vie

· Es gehört zu meinem Glauben dazu.

· Zu warten.

· Dass Gottes Verheißung sich erfüllt.

· Und das Leben bestimmt.

3. „Siehe, es kommt die Zeit.“ - Und dann glauben wir nicht nur.

Dann sprechen und bekennen wir nicht nur.

Dann erleben wir.

Dann ist Gottes Nähe nicht bloß in Büchern.

Nicht bloß im Kopf und auf den Lippen.

Sondern im Herzen.

Und darum im ganzen Menschen.

Was in meinem Herzen wohnt, bestimmt mein Leben.

Was ich denke.

Was ich glaube.

Was ich hoffe,

Worauf ich mich freue.

Wenn ich liebe.

Was ich liebe.

„Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben“

Wie gut, dass du, Gott, diese Verheißung wahrmachst.

Du – Gott – und wir sind nicht „per Sie“.

Du – Gott - Ich vertraue dir.

Du hast eine Zukunft für mich,

auch wenn ich jetzt so manches nicht sehe.

Du – hälst das aus Gott- meine Zweifel,

meine Ungeduld,

meine Forderungen,

meine Enttäuschungen.

Du – der mich geduldig hoffen lässt auf die Erfüllung deiner Verheißungen:

„Siehe, es kommt die Zeit.

„HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe;

sei mir gnädig und antworte mir!“

Warten,

liebe Gemeinde, … warten:

Die Psychologie sagt:

Wer warten könne,

der sei erfolgreicher und zielstrebige – fokussierter.

Daher gilt für Ungeduldige:

Lieber einmal tief durchatmen und sich ablenken, bevor geschimpft wird.

In einer Schlange (zum Beispiel) lassen sich beispielsweise durchaus Freundschaften schließen – vielleicht mit dem wartenden Hintermann?

Gemeinsames Warten fällt leichter und stimmt fröhlicher.

Natürlich ist auch gegen ein wenig Tagträumen nichts einzuwenden – solange das anstehende Ereignis nicht versäumt wird.

Unser Predigttext verheißt:

„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen,

der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein.“

AMEN.

Wochenlied: O komm, du Geist der Wahrheit (EG 136)

7. Du Heilger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern;

mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn.

O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund,

dass wir in Freud und Schmerzen

das Heil ihr machen kund.

Gebet und Vaterunser

Du zeigst uns den Himmel,
Christus, du Auferstandener.
Du bist unser Himmel

und willst in unseren Herzen mit deinem Geist wohnen.

Wohne in unseren Herzen,
damit deine Liebe uns verwandelt,
damit wir eins sind,
damit wir einander vertrauen,
damit wir einander vergeben,
damit wir einander helfen.

Komm mit dem Himmel zu den Schwachen.
Lebe mit ihnen,
damit ihnen neue Kräfte wachsen.

Komm mit dem Himmel zu den Kranken.
Heile sie,
damit sie aufatmen und wir einander wieder berühren.

Komm mit dem Himmel zu den Mächtigen.
Leite sie,
damit sie dem Frieden dienen
und der Gerechtigkeit aufhelfen.

Komm mit deinem Himmel zu all denen,

die helfen,

die pflegen,

die nach Mitteln suchen,

damit wir alle gut durch diese Krise kommen.

Komm mit dem Himmel zu uns allen,

damit wir immer wieder geduldig lernen,

das Gute,

das Richtige,

das Geduldfordernde zu tun.

Christus, du Auferstandener,
der Himmel ist in uns.
Du bist unser Himmel,
heute und alle Tage.

Schreibe dein Leben in unsere Herzen ein,
damit wir glauben.
Wir bitten dich: Sende aus deinen Geist!

VATERUNSER

Lied: EG 594,1 „Herr, wir stehen Hand in Hand“

1. Herr, wir stehen Hand in Hand,

die dein Hand und Ruf verband,

stehn in deinem großen Heer

aller Himmel, Erd und Meer.

Segen:

Der HERR segne uns und behüte uns!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig!

Der HERR erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden!

Amen

Lesegottesdienst zum 21.05.2020 (Christi Himmelfahrt), Pfarrer Friedemann Glaser

© privat

„Nicht wo der Himmel ist, ist Gott, sondern wo Gott ist, ist der Himmel“, hat der Theologe Gerhardt Ebeling einmal geschrieben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie im Gottesdienst an Himmelfahrt – wo immer Sie ihn feiern - Gottes Nähe spüren und damit auch ein Stück Himmel auf Erden.

Worte aus dem Johannesevangelium (12,32) stehen über diesem Himmelfahrtstag: „Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ Amen

Lied: EG 551,1-6 „Wo einer dem andern neu vertraut“

Eingangsgebet und Stilles Gebet:

Herr Jesus Christus,

dir ist gegeben alle Gewalt

im Himmel und auf Erden.

Darum bitten wir dich:

Entmachte die gottlosen Mächte,

die das Leben zerstören.

Gib uns deinen Heiligen Geist,

damit wir dich hören, dein Wort annehmen

und den rechten Glauben bewahren.

Lass uns für dich leben, mit dir einst sterben

und durch deine Kraft aufgenommen werden

in das Reich deines Vaters, mit dem du lebst und regierst in Ewigkeit.

Wir beten weiter in der STILLE.

 Herr Jesus Christus, du bist zum Vater gegangen

und von ihm zum Herrn gesetzt über alles.

Unseren Augen bist du verborgen und doch bist du uns allezeit nahe,

damit wir im Vertrauen auf dich leben können

und von dir ins ewige Leben geleitet werden.

Dich loben wir vereint mit der ganzen Christenheit und den himmlischen Chören.  Amen

Schriftlesung:

Wir hören aus der Apostelgeschichte (1,1-14) die Erzählung von der Himmelfahrt Jesu:

1 Den ersten Bericht habe ich gegeben, lieber Theophilus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte

2 bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte.

3 Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.

4 Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr - so sprach er - von mir gehört habt;

5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.

6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?

7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;

8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und bin ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

9 Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen.

10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.

11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der Ölberg heißt und nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt.

13 Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus.

14 Diese alle hielten einmütig fest am Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

 

Lied: EG 123,1+3+4+6 „Jesus Christus herrscht als König“

Predigt über Johannes 7,37-39

Als Predigttext hören wir aus dem 7. Kapitel des Johannesevangeliums die Verse 37-39 nach der Basisbibel:

37 Am letzten Tag,dem Höhepunkt des Festes,stellte sich Jesus hin und rief mit lauter Stimme:

„Wenn jemand Durst hat, soll er zu mir kommen und trinken –

38 jeder, der an mich glaubt. So sagt es die Heilige Schrift:

›Ströme von lebendigem Wasser werden aus seinem Inneren fließen.‹

39 Jesus bezog dies auf den Heiligen Geist. Den sollten die erhalten, die zum Glauben an ihn gekommen waren. Denn der Heilige Geist war damals noch nicht gekommen, weil Jesus noch nicht in Gottes Herrlichkeit aufgenommen war.

Liebe Gemeinde!

Haben Sie noch den Durchblick, was in Zeiten der Corona-Pandemie schon wieder erlaubt und was noch verboten ist? Und fragen Sie sich auch manchmal, ob das, was schon wieder möglich ist, auch wirklich richtig ist, oder ob man besser mit den Lockerungen der Infektionsschutzmaßnahmen hätte warten sollen? Ich gestehe, dass ich immer wieder verunsichert bin und oft schwanke: Ist eher immer noch Vorsicht geboten oder müssten wir nicht gerade jetzt auch mehr Mut zur Freiheit haben?

Irgendwie befinden wir uns in einer merkwürdigen „Zwischenzeit“: Uns allen ist klar, dass es kein einfaches Zurück mehr vor die Zeit von Corona geben wird. Zugleich aber wissen wir noch nicht, wie eine neue „Normalität“ aussehen könnte. Wir können uns da nur langsam vortasten …

Ich stelle mir vor, dass die Jüngerinnen und Jünger Jesu zwischen Ostern und Pfingsten auch in einer Art „Zwischenzeit“ gelebt haben. Eine Phase, in der sie sich neu sortieren mussten, ohne schon recht zu wissen, was aus ihnen werden sollte oder wie ihr zukünftiger Auftrag aussehen würde. Die Freundinnen und Freunde Jesu hatten an Ostern etwas vollkommen Neues erlebt: Jesus war von den Toten auferweckt worden. Das Grab konnte ihn nicht festhalten. Gott hat seinen Sohn mit neuem, unvergänglichem Leben beschenkt. Und mehr noch: Jesus verheißt ihnen, dass auch sie Anteil an diesem neuen, unvergänglichen Leben bekommen sollen. Der Tod hat ein für allemal nicht mehr das letzte Wort über uns. Was für eine Freudenbotschaft!

Es fällt freilich auf, wenn wir die Erzählungen der Evangelien von der Zeit zwischen Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten lesen, dass die Jüngerinnen und Jünger trotz dieser Freudenbotschaft verunsichert und voller Zweifel waren. Lag das daran, dass der auferstandene Jesus sich ihnen auch immer wieder entzog – mal mitten unter ihnen war und dann plötzlich wieder verschwunden? Oder stellt die Auferstehung von den Toten den Lauf der Welt derart auf den Kopf, dass es einfach über das Begreifen seiner Jüngerinnen und Jünger ging? Oder waren sie zu Recht auch skeptisch, weil sich doch trotz Ostern in der Welt scheinbar nichts verändert hatte: Nach wie vor gibt es Krieg und Streit, nach wie vor schreit der Unterschied zwischen Arm und Reich zum Himmel, nach wie vor müssen Menschen vor der Zeit sterben und bleiben ihre Lieben verzweifelt zurück, nach wie vor leidet die Schöpfung. Soll man da den Jüngerinnen und Jüngern Jesu einen Vorwurf machen, wenn sie zögerten, sich ganz auf das grundstürzend Neue von Ostern einzulassen?

Die Freundinnen und Freunde Jesu brauchten diese Zwischenzeit von Ostern über Himmelfahrt bis Pfingsten, um wirklich zu begreifen und anzunehmen, was ihnen da mit der Auferstehung Jesu von den Toten geschenkt wurde. Ganz langsam tasten sie sich an Himmelfahrt zur Erkenntnis vor, dass Jesus nun ganz bei Gott ist, um uns die Wohnung zu bereiten, wie es das Johannesevangelium verheißt. Und erst mit der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten wird aus der verunsicherten Schar der Jüngerinnen und Jünger eine begeisterte Bewegung, die die Osterbotschaft in die ganze Welt hinausträgt ohne jede Furcht vor den Menschen. Ohne den Geist Gottes gelingt es nämlich auch uns nicht, unseren Glauben und unsere Lebenswirklichkeit miteinander in Verbindung zu bringen. Darum können wir als Christinnen und Christen immer wieder nur bitten: „Vieni creator spiritus! – Komm, Schöpfer Geist!“

Liebe Gemeinde!

Wie kein anderes der vier Evangelien hat Johannes gerade die Menschen im Blick, die sich selbst in einer „Zwischenzeit“ erleben. Christinnen und Christen, die der Osterbotschaft glauben und zugleich nach Osterspuren in unserer oft so dunklen, ja todesverfallenen Welt suchen. Deshalb spricht Jesus uns im Johannesevangelium oft Vergewisserungen zu und ermutigt uns, ihm gegen allen Augenschein doch zu vertrauen.
Unser Predigttext erzählt vom Laubhüttenfest in Jerusalem, an dem auch Jesus wie jeder fromme Jude damals teilgenommen hat. Sukkot ist eigentlich ein Erntedankfest im Herbst, aber es wird verbunden mit der Erinnerung an die Wüstenwanderung des Volkes Israel. Deshalb lebt man für eine Woche in provisorischen Hütten – so wie die Mütter und Väter damals in Zelten.

So ist das Laubhüttenfest eigentlich auch eine Erinnerung an eine „Zwischenzeit“, denn das Volk Israel war damals zwar befreit worden aus der Sklaverei in Ägypten, aber es war noch nicht im verheißenen Land angekommen. Auch die Israeliten mussten also damals erst ihren Weg als freie Töchter und Söhne Gottes finden – mitten in den Gefahren der Wüste.

Höhepunkt des Laubhüttenfestes im Jerusalemer Tempel war zur Zeit Jesu die Wasserspende. Aus der Siloah-Quelle wurde Wasser geschöpft und im Tempel über dem Altar ausgegossen. Dieses Wasser versickerte über einen Kanal unter dem Tempel, wo nach jüdischem Glauben der Urstrom des Wassers fließt, mit dem Gott, der Schöpfer, einst das Land überhaupt erst fruchtbar gemacht hat. Mit der Wasserspende bitten die Priester, dass Gott auch im kommenden Jahr Regen senden möge, damit eine neue Ernte wachsen kann. Und der Prophet Hesekiel verheißt in einer großartigen Schau, dass dieses Wasser aus dem Tempel am Jüngsten Tag sogar das Tote Meer verwandeln und lebendig machen wird.

Diesen Hintergrund des Laubhüttenfestes und der Tradition des Wasserschöpfens müssen wir kennen, um die Ungeheuerlichkeit zu begreifen, mit der Jesus auf dem Höhepunkt der Feierlichkeiten in Jerusalem auftritt. Denn Jesus behauptet von sich nichts weniger, als dass er die lebensspendende Quelle sei, und lädt alle Lebensdurstigen ein, von diesem Wasser zu trinken. Wer Jesus vertraut, der hat Anteil an der Lebensenergie Gottes. Wer sich auf seinen Weg einlässt, dem wird Fruchtbares geschenkt werden und der wird Gutes ernten können. Immer wieder stellt sich Jesus uns im Johannesevangelium als Quelle des Lebens vor: Als Brot des Lebens, als Weg, Wahrheit und Leben, als Auferstehung und Leben. 

Damals hat Jesus Anstoß erregt, weil er mit seinem Anspruch, die Quelle des lebendigen Wassers zu sein, eigentlich den ganzen Tempelgottesdienst in Frage gestellt hat: Nicht die Teilnahme am Wasserschöpfen beim Laubhüttenfest verspicht Leben in Fülle, sondern allein die Beziehung zu Jesus. Wir ahnen, warum es damals zum Konflikt zwischen ihm und der religiösen Obrigkeit gekommen ist. 

Aber ich bin überzeugt, dass Jesus mit diesem Anspruch, die Quelle wahren Lebens zu sein, auch heute bei uns Ärger bekommen würde. Denn der herrschende Zeitgeist sagt doch: Ich allein bin meines Glückes Schmied. Gelingendes Leben kann und muss ich mir selbst schaffen. Ich muss mich immer wieder neu selbst erfinden, damit ich einmalig und unverwechselbar bin. Um mit anderen mithalten zu können, muss ich ständig bereit sein, über meine eigenen Grenzen zu gehen. Konkurrenten um den Platz an der Sonne muss ich wegbeißen. Was ich erreicht habe und besitze, muss mit allen Mitteln festgehalten und verteidigt werden.

Wer aber glaubt, gelingendes Leben derart herbeizwingen zu können, der wird es verfehlen. Der wird vor lauter Leistungsdruck zugrunde gehen. Und am Ende einsam bleiben, weil er niemandem mehr vertrauen kann. Liebe und Glück, innere Ruhe und Zufriedenheit können uns letztlich nur geschenkt werden. Gelingendes Leben muss uns zufallen, wir können es nicht „machen“. Andrea Schwarz schreibt einmal sehr schön: „Manchmal / träume ich davon / dass ich nicht immer / nur blühen muss / sondern Zeit / Ruhe habe / um Kraft für neue Triebe / zu sammeln“. Das aber verspricht uns Jesus.

Wenn er uns Lebensdurstige zu sich als der Quelle lebendigen Wassers einlädt, dann verheißt er uns ein Leben, in dem wir uns die Erfüllung eigener Sehnsüchte nicht krampfhaft erkämpfen müssen, sondern offen werden für das Unerwartete und Unverhoffte, das Christus uns schenken will. Gelassen werden und genießen können, was uns beschert wird, statt dauernd nach dem nächsten Kick zu schielen und ständig den Starken markieren müssen. Frei sein für andere und ihnen etwas Gutes tun. Und dann spüren, dass die Liebe zum Nächsten mir selbst guttut. Mich selbst annehmen mit meinen Stärken und Schwächen, weil ich mich von Jesus geliebt weiß. Und dann auch die anderen so stehenlassen können, wie sie sind, weil auch sie zu den Kindern Gottes gehören. Unser Durst nach Leben wird gestillt, wo wir uns diesem Jesus anvertrauen – dauerhaft und wahrhaftig. Dafür steht Jesus ein.

Liebe Gemeinde!

Noch warten die Jüngerinnen und Jünger Jesu nach Himmelfahrt auf die Ausgießung des Heiligen Geistes. Sie leben in einer Art „Zwischenzeit“. Aber der Geist, so sagt es das Johannesevangelium, wird sie ermutigen, den Weg Jesu weiterzugehen und ohne Furcht Neues zu wagen. Eine Zwischenzeit, die uns einlädt, erste vorsichtige Schritte in Richtung auf das verheißene Land zu machen und vom unvergänglichen Leben zu träumen, das Jesus uns zugesagt hat. Ein Gedicht von Rose Ausländer beschreibt das so:

„Ich glaube an die Wunder / dieser Welt und der unendlichen / unbekannten Welten /

Ich glaube / an das Wunder der Träume /

Träume im Schlaf / und im Wachen /

Ich glaube an die Wunder / der Worte / die in der Welt wirken / und die Welten erschaffen /

Ich glaube / an dich / Lebensbruder“

Amen

 

Lied: Neue Lieder Plus 125 „Du bist heilig, du bringst Heil“ (2 X gesungen)

Du bist heilig, du bringst Heil,

bist die Fülle, wir ein Teil

der Geschichte, die du webst,

Gott, wir danken dir, du lebst

mitten unter uns im Geist,

der Lebendigkeit verheißt,

kommst zu uns in Brot und Wein,

schenkst uns deine Liebe ein.

Du bist heilig, du bist heilig,

du bist heilig. Alle Welt schaue auf dich.

Halleluja, Halleluja,

Halleluja. Amen

Fürbittgebet und Vaterunser:

Wir wollen Fürbitte halten. Nach den Worten „Wir bitten dich“ stimmen wir ein in den dreifachen Ruf: „Kyrie eleison – Christe eleison – Kyrie eleison!“

Gott, du Quelle des Lebens!

Du hast uns zu Kindern des Himmels berufen,

du hast uns diese Erde anvertraut,

du hast uns zu deinem Ebenbild erschaffen.

Gib deiner Kirche Einheit in Jesus Christus.

Sprich durch deine Kirche zu den Menschen.

Tröste durch sie die Verzweifelten.

Rette durch sie die Bedrohten.

Wirke durch sie Versöhnung.

Segne durch uns die Welt.

Wir bitten dich: Kyrie eleison – Christe eleison – Kyrie eleison!

 

Gib den Mächtigen Ehrfurcht vor dir und deinen Geschöpfen.

Leite sie auf den Weg der Gerechtigkeit.

Erfülle ihre Herzen mit Barmherzigkeit.

Mache sie zu Tätern des Friedens.

Gib Frieden für die Menschen in den Kriegsgebieten dieser Welt.

Zerbrich die Waffen. Bezähme die Rache.

Vergib uns.

Wir bitten dich: Kyrie eleison – Christe eleison – Kyrie eleison!

 

Gib deinen Geschöpfen Trost und Leben.

Steh den Trauernden bei.

Heile die Verletzten.

Ermutige die Verstörten.

Lass uns die Hoffnung auch in den Zeiten der Corona-Pandemie nicht verlieren.

Segne die Felder, die aufgehende Saat,

das aufbrechende Grün, unsere Arbeit.

Nimm unsere Kinder unter deinen Schutz.

Wir bitten dich: Kyrie eleison – Christe eleison – Kyrie eleison!

Du hast uns den Himmel geöffnet.

Du zeigst uns deine Liebe.

Du bist Leben.

Komm zu denen, die wir lieben.

Komm zu denen, die dich lieben.

Komm zu uns durch Jesus Christus.

 In seinem Namen beten wir gemeinsam:

Vater unser im Himmel …

 

 Lied: EG 594,1+3+6 „Herr, wir stehen Hand in Hand“

 Segen:

Der HERR segne uns und behüte uns!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig!

Der HERR erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden! Amen

Lesegottesdienst zum Sonntag Rogate am 17. 05. 2020

Von Klinikpfarrer Michael Mitt

Lesegottesdienst zum Sonntag Kantate am 10.05.2020

Impulse von Vikar  Samuel Striebel, Wangen im Allgäu.

Lesegottesdienst zum Sonntag Jubilate, Pfarrer Volker Gerlach

© Membeth, Wikimedia Commons

Hochalter Liebfrauenkirche Jüterbog

Wochenspruch

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen; siehe, Neues ist geworden.  (2. Kor 5,17)

„Jubilate – Jubelt!“  Wie leicht ist es, im Frühjahr in den Jubel der erwachenden Natur einzustimmen. Ihr Wiederaufblühen wird in der Osterzeit zum wunderbaren Sinnbild der Auferstehung. Menschen sind der Vergänglichkeit unterworfen. Und doch haben wir bereits eine Ahnung von neuem Leben. Neu zu werden ist möglich, auch hier und heute. Wer an dieser Hoffnung festhält, dem wächst Stärke zu. Und die brauchen wir nicht nur in diesen Tagen und Wochen.  Denn wie der Weinstock seinen Trieben Kraft gibt, so haben auch Christen ihren Halt in Christus.  

 

Lied  EG 503   Geh aus mein Herz und suche Freud

 

Psalm 1     EG 702

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, da die Spötter sitzen,

sondern hat Lust zum Gesetz des Herrn und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht.

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringet zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht, und was er macht, das gerät wohl.

Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreuet.

Darum bleiben die Gottlosen nicht im Gericht, noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Denn der Herr kennet den Weg der Gerechten, aber der Gottlosen Weg vergehet.

 

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.  Amen.

 

Bibeltext

Der wahre Weinstock – Johannes 15

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.

2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe.

3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.

4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.

7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

 Lied EG 398:  In dir ist Freude

 Predigt zu Johannes 15,1-8

Liebe Gemeinde,

selten ist es uns so bewusst geworden, wie in den vergangenen Wochen, dass vieles, von dem wir meinten, dass es selbstverständlich sei, eben nicht selbstverständlich ist. Das Hamsterrad, in dem wir uns so oft durch die Woche bewegten, ist ins Schlingern geraten. Und doch gibt es etwas, das vor der Krise schon da war und hoffentlich jede Krise überdauert. Es ist die Liebe, die sich ausdrückt in der Verantwortung füreinander, in der Sorge um alle, die an Leib und Seele Schaden nehmen. Es ist die Liebe, die uns die anderen trotz Skype und Zoom vermissen lässt.

Von dieser Liebe, die in Jesus Gestalt gewonnen und ein menschliches Antlitz bekommen hat, redet er selbst in Bildern und Gleichnissen. Ich bin der gute Hirte, das Licht der Welt, das Brot des Lebens, der lebendige Weinstock. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Dieses Bildwort aus Johannes 15 erinnert mich an die bekannten Sätze aus dem Johannesbrief (1.Joh 4,16): Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Eine Zusage, die gilt -  bedingungslos! Unser Leben hat einen Grund, eine Wurzel, aus der es seine Kraft bekommt. Das Leben hat einen Sinn von Anfang an. Dieser will uns durchdringen, wie die Lebenskraft des Weinstocks seine Reben durchdringt. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich leben, lieben, lachen und weinen darf. Wer die Verbindung zu diesem Ursprung verliert, verliert die Verbindung zum guten Leben. Jesu Wort vom Weinstock hat etwas Tröstliches. Kurz vor seinem Abschied hat er es seinen Jüngern zugesprochen. Was immer auch geschieht, die Verbindung zu Gott, die Verbindung zur Liebe und zum Ursprung eures Lebens reißt nicht ab. Glaube heißt, diese Zusage anzunehmen, die Bejahung meines Lebens  anzunehmen, um selbst Ja sagen zu können zu meinen Mitmenschen.

Das Bild vom Weinstock und den Reben hat aber auch  noch eine andere Seite. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.

Der Weingärtner wird jede Rebe, die keine Frucht bringt, wegnehmen. Wie passt das zusammen mit dem Bild eines Christus der sich den Schwachen zu wendet, der die Sünder einlädt und die Verlorenen sucht? Wie passt das zusammen mit einem Gott, der den glimmenden Docht nicht auslöscht und das geknickte Rohr nicht brechen wird? Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte!

Das Bild vom Weinstock kommt hier an seine Grenzen. Denn eine Rebe kann sich  nicht gegen den Weinstock entscheiden. Doch wir können Gott aus dem Blick verlieren und damit auch unseren Ursprung.

Vergesst nicht, woher euer Leben kommt, eure Hoffnung, eure Zuversicht. Das Bild vom Weinstock ist die Einladung den Grund unseres Lebens im Blick zu behalten. Es geht darum, woher wir die Kraft, das Vertrauen und die Begeisterung beziehen, die uns immer wieder aufbrechen lassen, auch nach Enttäuschungen einen neuen Anfang zu suchen, auch nach Streit und Zwietracht die Versöhnung zu wagen, auch mitten in der Krise „Trotzdem“ zu sagen. Das Bild vom Weinstock hat seine Grenzen und doch spricht es mich an. Ich weiß um die vielen großen und kleinen Dinge, die ich einem anderen zu verdanken habe und die nicht selbstverständlich sind. Ich weiß aber auch um die Tage, an denen nichts gelingen will. Tage, die ohne Frucht bleiben.

Zum Leben gehört das Nebeneinander und das Ineinander von Scheitern und Erfolg, von bedrückenden und beglückenden Erfahrungen.

Dass dieses Leben möglich ist, dass es Glaube, dass es Hoffnung, dass es Liebe gibt, nennen wir Gnade. Es steht nicht in unserer Hand. Doch wir haben eine Wurzel die uns hält und nährt mit dem was wir zum wahren Leben brauchen. Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Amen!

Lied EG 628  Meine Zeit steht in deinen Händen

Gebet für Jubilate  (Wochengebet der vereinigten Evangelisch Lutherischen Kirchen)

In dir bleiben, Christus. Die Kraft von dir empfangen.
Aus deiner Wurzel leben. Aufnehmen und weiterreichen, was du uns gibst. Frucht bringen.
Christus, ohne dich können wir nichts tun. Du gibst die Kraft. Aus dir strömt sie.

Gib sie denen, die müde sind,
die erschöpft sind, die sich aufreiben in der Sorge für andere,
deren Mut aufgebraucht ist, die sich fürchten vor dem, was kommt.
Du bist die Wurzel, die trägt.
Erbarme dich.

Du bist der Friede. Du berührst die Herzen.
Verwandle die Hartherzigen, die Kriegsherren und die Lügner.
Du bist das Glück für die Schwachen.
Erbarme dich.

Du bist die Liebe. Du machst alles neu. Du bleibst.
Bleib bei den Trauernden, Christus und bei den Liebenden, denn ohne dich verlieren sie sich.
Du Liebe, sprich zu uns, zu deiner Gemeinde und zu deiner weltweiten Kirche.
Bleib bei uns. Christus, ohne dich können wir nichts tun. Du bist der Weinstock.
Erbarme dich
heute und alle Tage, die kommen.
Amen.

All unsere Bitten und unsere Hoffnung legen wir in das Gebet, das Jesus Christus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel …

Lied  EG 170 : Komm, Herr segne uns  

Segen:

Der Herr segne dich und behüte dich. Er lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.  Der Her erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

 

 

 

 

 

Lesegottesdienst zum Sonntag Miserikordias Domini

© Gerd Altmann/Pixabay

Impulse von Pfarrer Martin Sauer, Wangen.

Lesegottesdienst zum Sonntag Quasimodogeniti

Impulse von Pfarrer Stefan Ziegler, Isny.

Impulse zum Osterfest von Pfarrer Dietrich Oehring, Isny

© Alle Fotos: evkisny

Impulse hier zum Download

Gottesdienst an Karfreitag 2020 mit Klinikpfarrer Hartmut Nitsche, Isny-Neutrauchburg

Votum
Wir feiern Gottesdienst, im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Auch wenn wir nicht zusammenkommen können, sind wir im Geiste verbunden.  Jesus Christus ist unsere Mitte.

Tagesspruch

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Johannes 3,16)

Lied EG 97 Holz auf Jesu Schulter

1. Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

2. Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

6. Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr, ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Wir beten als Psalm 22

709 – „Ehr´ sei dem Vater“ entfällt an Karfreitag… Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

Du aber bist heilig,der du thronst über den Lobgesängen Israels. Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus. Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden. Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.

Aber du, Herr, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!

Gebet und Stilles Gebet Unser Gott, Du hast gezeigt,  wie weit deine Liebe zu uns Menschen geht:

Selbst eigenes Leiden und Schmerz sind nicht die Grenzen, wo Du aufhörst bei uns und für uns zu sein:

Mit deiner Liebe, die uns auch in finsteren Tälern zu führen vermag. Mit deiner Verheißung, dass du bei uns bist in den dunkelsten Stunden und niemand allein lässt im Leid.

Mit deiner Treue, mit der du mit uns auch in den tiefsten Gräben bist und trägst.

Wir aber, treuer Gott, erleben Karfreitag, wie noch nie zuvor.

Weltweit leben wir unter dem Diktat der Corona-Pandemie. Weltweit sterben Menschen und  weltweit kämpfen Menschen um das Leben anderer.

Wir alle sind gefordert und es kostet unendlich viel Kraft;  nicht wenige müssen über ihre Kräfte gehen.

 Und so kommen wir vor Dich, bringen vor Dich, was uns auf dem Herzen liegt und bitten um deine Nähe und Gnade.

Stilles Gebet 

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

AMEN

Schriftlesung Markus 15,21-41 nach Neue Genfer Übersetzung

Die Kreuzigung Jesu

21 Unterwegs begegnete ihnen ein Mann, der gerade vom Feld kam, ein gewisser Simon aus Zyrene, der Vater von Alexander und Rufus. Den zwangen die Soldaten, Jesus das Kreuz zu tragen. 

22 So brachten sie Jesus bis zu der Stelle, die Golgata heißt. (Golgata bedeutet „Schädelstätte“.) 23 Dort wollte man ihm Wein zu trinken geben, der mit Myrrhe vermischt war; doch er nahm ihn nicht. 

24  Dann kreuzigten die Soldaten Jesus. Seine Kleider verteilten sie unter sich; sie losten aus, was jeder bekommen sollte.

25  Es war neun Uhr morgens, als man ihn kreuzigte. 

26  Eine am Kreuz angebrachte Aufschrift gab den Grund für seine Verurteilung an; sie lautete:

„Der König der Juden.“ 

27  Zusammen mit Jesus kreuzigte man zwei Verbrecher, einen rechts und einen links von ihm. 29 Die Leute, die vorübergingen, schüttelten den Kopf und riefen höhnisch: „Ha! Du wolltest doch den Tempel niederreißen und in drei Tagen wiederaufbauen! 

30  Hilf dir selbst und steig herab vom Kreuz!“

31  Ebenso machten sich die führenden Priester und die Schriftgelehrten über ihn lustig. „Anderen hat er geholfen, aber sich selbst kann er nicht helfen“, sagten sie spöttisch einer zum anderen. 

32  „Der Messias ´will er sein`, der König von Israel! Soll er doch jetzt vom Kreuz herabsteigen! Wenn wir das sehen, werden wir an ihn glauben.“ Auch die Männer, die mit ihm gekreuzigt worden waren, beschimpften ihn.

 Der Tod Jesu

33  Um zwölf Uhr mittags brach über das ganze Land eine Finsternis herein, die bis drei Uhr nachmittags dauerte. 

34  Um drei Uhr schrie Jesus laut: „Eloi, Eloi, lema sabachtani?“ (Das bedeutet: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

35  Einige der Umstehenden sagten, als sie das hörten: „Seht doch, er ruft Elia!“ 

36  Einer holte schnell einen Schwamm, tauchte ihn in Weinessig, steckte ihn auf einen Stab und hielt ihn Jesus zum Trinken hin. „Wartet“, rief er, „wir wollen sehen, ob Elia kommt, um ihn herabzuholen!“ 

37  Jesus aber stieß einen lauten Schrei aus; dann starb er. 

38  Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. 

39  Als der Hauptmann, der beim Kreuz stand, Jesus so sterben sah, sagte er: „Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn.“ 

40  Es waren auch Frauen da, die von weitem zusahen. Unter ihnen befanden sich Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus dem Jüngeren und von Joses, sowie Salome – 41 Frauen, die Jesus schon gefolgt waren und ihm gedient hatten, als er noch in Galiläa war.

Auch viele andere Frauen waren da, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren. Selig, die Gottes Wort hören und bewahren.

 Glaubensbekenntnis:

Auf das Wort Gottes antworten wir mit dem Bekenntnis unseres Glaubens:

 Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus,  seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

 Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 Tageslied EG 85 O Haupt voll Blut und Wunden

1 O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron, o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier, jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir!

2.Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut das große Weltgewichte: wie bist du so bespeit, wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht’? 3. Die Farbe deiner Wangen, der roten Lippen Pracht ist hin und ganz vergangen; des blassen Todes Macht hat alles hingenommen, hat alles hingerafft, und daher bist du kommen von deines Leibes Kraft. 5. Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an. Von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Guts getan; dein Mund hat mich gelabet mit Milch und süßer Kost, dein Geist hat mich begabet mit mancher Himmelslust.

Predigt Liebe Gemeinde, da lehnte es am Schreibtisch meines Ausbildungspfarrers in Crailsheim – irgendwie leger:

Sein persönliches Holzkreuz. Ein Kreuz, wie man es auf den Friedhöfen findet. Er hatte es sich anfertigen lassen, nach schwerer Krankheit – da war er Anfang vierzig: Name, Geburtsdatum und die Anfangsbuchstaben von Christus.
Als ich sein Kreuz das erste Mal sah, traute ich meinen Augen nicht.

Aber mein Ausbildungspfarrer – Typus „taffer Schwabe“ – erzählte mir, wie er gut mit dieser Wahrheit und Hoffnung lebt: Er ist sterblich und er ist in Christus geborgen. Punkt.

Mich hat die Erinnerung an dieses Kreuz und dieses Vertrauen niemals mehr verlassen. Vielleicht auch deshalb, weil ich kurz vor meiner Ausbildung zum Vikar meinen Vater verloren habe. Da fühlte sich Vieles, was theoretisch studiert worden war, auf einmal ganz anders an und es galt viel zu verdauen und zu bedenken. 

Heute sage ich: „Ich habe damals die Seite gewechselt!“ Bildlich gesprochen:
„Es macht einen Unterschied, ob du vom Meer erzählst, oder selbst darin schwimmen gehst.“ Die Seite gewechselt, wie eben auch mein Ausbildungspfarrer: Anfang vierzig – nochmals davongekommen.

Seit der Corona-Pandemie kommt es mir so vor, als ob wir alle irgendwie die Seite gewechselt hätten.
Wir kommen an unsere Grenzen.
Wir sind voller Bilder von Tod und Kampf dagegen.
Wir sind alle mit beteiligt, dass sich die Pandemie langsamer ausbreitet –  zum Schutz der Gefährdeten; wobei „gefährdet“ ganz schnell mich selbst betreffen kann.

„Leben im Schatten einer großen Flutwelle…“ – hat jemand dieser Tage gesagt.

 Ja – „Leben im Schatten einer großen Flutwelle…“; ich ergänze aber: „…und dagegenhalten, was das Zeug hält!“
Ich bewundere den Einsatz von Pflegepersonal, Ärzten und allen, die da zusammenwirken. Ich bewundere die Ruhe und die Freundlichkeit von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Märkten, beim Bäcker, an der Tanke.
Ich bewundere, wie die Leute – zumindest von mir in und um Isny so beobachtet – sich auf „korrekter Distanz“ bewegen, aber zugleich wird sehr bewusst ein Gruß oder ein anderes Zeichen der Verbundenheit gesetzt. 

„Leben im Schatten einer großen Flutwelle und dagegenhalten…!“

Im Predigttext für den heutigen Karfreitag ist von „versöhnt, versöhnlich…“ die Rede.

Eine Umschreibung im Deutschen von „versöhnt, versöhnlich…“ ist „… als etwas Erfreuliches, Tröstliches, Hoffnungsvolles erscheinend.“

„… und dagegenhalten…!“

Lesen wir den Predigttext für heute aus dem 2. Korinther 5, 17-21  (nach Neuer Genfer Übersetzung): 

 17  Vielmehr ´wissen wir`: Wenn jemand zu Christus gehört, ist er eine neue Schöpfung.  Das Alte ist vergangen; etwas ganz Neues hat begonnen!
18  Das alles ist Gottes Werk. Er hat uns durch Christus mit sich selbst versöhnt und hat uns den Dienst der Versöhnung übertragen. 19  Ja, in ´der Person von` Christus hat Gott die Welt mit sich versöhnt,
sodass er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnet;  und uns hat er die Aufgabe anvertraut, diese Versöhnungsbotschaft zu verkünden.
20  Deshalb treten wir im Auftrag von Christus als seine Gesandten auf; Gott selbst ist es, der die Menschen durch uns ´zur Umkehr` ruft. Wir bitten im Namen von Christus: Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch anbietet! 21  Den, der ohne jede Sünde war, hat Gott für uns zur Sünde gemacht, damit wir durch die Verbindung mit ihm die Gerechtigkeit bekommen, mit der wir vor Gott bestehen können.

Paulus schreibt einen Brief den Korinthern

Wie oft hat man diesen Satz schon gehört: „Paulus schreibt einen Brief an die und die Gemeinde…“  Aber dieser Tage hat allein schon das eine Aussagekraft: 

„Die mit der notwendigen Kontaktminimierung einhergehenden Folgen insbesondere für alte und kranke Menschen werden in Kauf genommen werden und, wo möglich, abgemildert durch neue Wege digitaler, medialer Vernetzung. Dabei kann daran erinnert werden, dass das „Da-Sein für andere unter den Bedingungen räumlicher Trennung“ eine lange Tradition hat. Zu denken ist etwa an briefliche Seelsorge des Paulus (2. Kor 1) oder auch an Martin Luthers Seelsorgebriefe. (Ethische Aspekte der Seelsorge in Zeiten der Pandemie/Dr. Grau / Dr. Elbe-Seiffart / 29.03.2020) Nicht nur in der Klinikseelsorge überlegen wir, wie Nähe gerade für alte und kranke Menschen stattfinden kann: Ein Telefonat, ein Brief oder einfach einen Gruß ausrichten, das macht für viele Betroffene durchaus einen Unterschied.

Für den Umgang mit Patienten auf Intensivstationen oder Krankenzimmern sind wir gerade auf dem Weg – unter Einhaltung von allen menschenmöglichen Schutzvorrichtungen – weitere Schritte zu gehen….

2. Paulus schreibt den Korinthern die Versöhnung Christi
Machen wir uns nichts vor.
Auch wenn „Versöhnung“ so „versöhnlich“, „… als etwas Erfreuliches, Tröstliches, Hoffnungsvolles erscheinend“ wirkt.  Der Hintergrund ist bitterböse.
Kurz gesagt – es geht um den Tod, die letzte Beziehungslosigkeit. Das geht auch in die Gottesbeziehung.

„Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ schreit Jesus am Kreuz.

 Im Neuen Testament kommen diese Erfahrungen zur Geltung, dass menschliches Leben – manchmal – so ist, und das eben auch nicht alles im Leben gelingt:
Wir kommen an unsere Grenzen.
Wir sind voller Bilder von Tod und Kampf dagegen.
Wir sind alle mit beteiligt, dass sich die Pandemie langsam ausbreitet -  zum Schutz der Gefährdeten; wobei „gefährdet“ ganz schnell mich selbst betreffen kann. Wir sind immer wieder in der Erfahrung der Gottverlassenheit.
„Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ schreit Jesus am Kreuz.
Gott und Tod sind in der Sprache des Neuen Testamentes Feinde und Gegner.
Und es ist ein Kampf, in dem es Gott selbst mit dem Tod zu tun bekommt, in dem es aber der Tod ebenso selbst mit Gott zu tun bekommt.
Gott hat im Tod Jesus selber erlitten, was es heißt, wenn der Tod einen schreien lässt:„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“

„Der Tod ist ein Teil unseres Lebens!“ hat mir dieser Tage ein Freund gesagt, der seine fast 89-jährige Frau verloren hat. Seit Karfreitag gilt aber zugleich:
„Das Leben ist ein Teil unseres Todes!“
Paulus umschreibt das mit dem Wort der Versöhnung Christi, welches Konsequenzen nach sich zieht:

„Wenn jemand zu Christus gehört, ist er eine neue Schöpfung. 

Das Alte ist vergangen; etwas ganz Neues hat begonnen!“ Es gilt nicht nur: „Der Tod ist ein Teil unseres Lebens!“, 

sondern vielmehr: „Das Leben ist ein Teil unseres Todes geworden!“

 Paulus schreibt: „Wenn jemand zu Christus gehört, ist er eine neue Schöpfung.  Das Alte ist vergangen; etwas ganz Neues hat begonnen!“ 

Die Zeit, in der wir gerade leben, zwingt uns, sich auf Neues einzustellen. Der Zukunftsforscher Matthias Horx schildert dieser Tage seine Vision in dem Essai „Wie wird die Welt nach der Corona-Krise aussehen?“ — und sie macht Hoffnung. Er schreibt unter der Prämisse, wenn wir im Herbst 2020 auf den April 2020 zurückschauen:

„Worüber werden wir uns rückblickend wundern? Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre führten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte. Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.“

Bedenkenswert und hoffentlich wird das so sein. Wobei mir angesichts dessen, 

was diese Woche und Wochen auf uns zukommt, nicht danach ist, allzu viel Zukunftsforschung zu betreiben.

Dennoch, nach 30 Jahren Pfarrdienst und damit auch viel auf dem Friedhof sein und Begleiten von Abschieden, bringe ich doch diese Erfahrung mit: Gerade in der Situation des Todes, im tiefsten Loch –  die Wende,  da hinein geschieht das Wunder, was wir nie begreifen können,  aber glauben und erhoffen können:

Aufstehen, Auferstehung, Neues, Tröstliches, Hoffnungsvolles geschieht – auch.

Theologisch gesprochen: 

•      Kraft der Taufe, in Jesu Tod getauft und wieder auferstanden – oder einfacher: 

•      „Der Herrgott hat noch immer a Türle aufgemacht!“

•      „Nicht müde werden, sondern dem Wunder, leise wie einem Vogel, die Hand hinhalten!“ (Hilde Domin)

•      „Der Tod ist ein Teil unseres Lebens!“, aber in Jesus Christus noch viel mehr:

•      „Das Leben ist ein Teil unseres Todes!“

 

Heute ist Karfreitag – das müssen wir aushalten, wie so manches, was die Tage und Wochen noch auf uns zukommt.

„Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ schreit Jesus am Kreuz.

… und dennoch gilt: „Wenn jemand zu Christus gehört, ist er eine neue Schöpfung. 

Das Alte ist vergangen; etwas ganz Neues hat begonnen! Das alles ist Gottes Werk.“

 Mein Ausbildungspfarrer hat in Form seines Holzkreuzes zusammengefasst, wie er mit dieser Wahrheit und Hoffnung lebt: Sterblich und in Christus geborgen zu sein. 

 Friedrich Niebuhr hat es mit folgendem Gebet formuliert.

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Einen Tag nach dem anderen zu leben, einen Moment nach dem anderen zu genießen. Entbehrung als einen Weg zum Frieden zu akzeptieren, sie anzunehmen, wie Jesus es tat: diese sündige Welt, wie sie ist, und nicht, wie ich sie gern hätte,

zu vertrauen, dass Du alles richtig machen wirst,

wenn ich mich Deinem Willen hingebe, sodass ich in diesem Leben ziemlich glücklich sein möge und im nächsten Leben für immer überglücklich.

Amen.“

Das Holzkreuz meines Ausbildungspfarrers, das Gebet von Friedrich Niebuhr –alles Ausdruck ihres Gottvertrauens.

Gottvertrauen – authentisches Gottvertrauen – gerade jetzt –  … das wünsche ich uns allen – trotz allem… 

AMEN

EG 574 Nichts soll dich Ängsten (2x deutsch und 2x spanisch)

dt. Nichts soll dich Ängsten, nichts soll dich quälen; wer sich an Gott hält, dem wird nichts fehlen.

Nichts soll dich Ängsten, nichts soll dich quälen:

Dich trägt Gott. Amen.

span. Nada te turbe, nada te espante: quien a Dios tiene nada le falta.

Nada te turbe, nada te espante: sólo Dios basta.

Gebet und Vaterunser

Dein Kreuz, Jesus Christus, ist aufgerichtet. Du wurdest dem Tod ausgeliefert und wir sind frei. Du stirbst und wir leben.

Dein Kreuz, Jesus Christus, ist aufgerichtet und wir beten für die Kranken

für die, denen keine Medizin mehr helfen kann, für die, die einsam sterben, für die, die unter der Last dieser Tage zusammenbrechen.

(Stille)

Erbarme dich.

 Dein Kreuz, Jesus Christus, ist aufgerichtet und wir beten für die Menschen,

die in Krankenhäuser und Pflegeheimen arbeiten, in Feuerwachen und Apotheken, in Kitas und Supermärkten, in Laboren und in Ställen, in Ämtern und Gemeinden.

(Stille)

Erbarme dich.

Dein Kreuz, Jesus Christus, ist aufgerichtet und wir beten So beten wir für die Menschen,

die in der Sorge dieser Tage in Vergessenheit geraten, die Flüchtlinge, die Opfer von häuslicher Gewalt, die Verwirrten und Missbrauchten, die Hungernden, die Einsamen.

Komm zu ihnen und rette sie.

(Stille)

Erbarme dich. Jesus Christus, du wurdest dem Tod ausgeliefert und wir sind frei. Du stirbst und wir leben.

Wir danken dir für dein Kreuz, heute und morgen und alle Tage.

Gemeinsam beten wir, wie du uns gelehrt hast zu beten:

Vaterunser Amen

 Segensbitte 

EG 421, Verleih uns Frieden gnädiglich

Gottes Segen für Leib und Seele  Der HERR segne uns und behüte uns;  der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig;  der HERR hebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.